Der Andorn ist eine anspruchslose Wildpflanze, die mittlerweile leider zu den stark gefährdeten Arten zählt. Ursprünglich stammt Andorn aus dem westlichen Mittelmeergebiet, hat sich aber aufgrund der regen Seefahreraktivität des Spätmittelalters bis nach Süd- und Mittelamerika verbreitet. In Europa lässt sich die Pflanze sogar bis ins südliche Skandinavien und den britischen Inseln antreffen.

Andorn wurde im Mittelalter als Heilkraut hochgeschätzt. Der botanische Name Marrubium vulgare deutet auf den hohen Anteil an Bitterstoffen hin. Es wird angenommen, dass sich die Bezeichnung auf die hebräischen Wörter „mar“ (bitter) und „rob“ (viel) bezieht.

Nicht nur als Bitterkraut ist diese Pflanze einsetzbar. Neueste Studien zeigen, dass Andorn in der Lage ist, Schwermetalle aus verunreinigten Böden zu extrahieren und somit zu ihrer Entgiftung beizutragen. Weiters haben Obstzüchter entdeckt, dass Andorn schädliche Raupen und andere Insekten fernhalten kann, wenn er direkt unter Obstbäume gepflanzt wird.

Aussehen

Beim Andorn handelt es sich um eine mehrjährige, krautige und frosttolerante Pflanze. Er gehört zu den Lippenblütlern, was unter anderem an dem charakteristischen vierkantigen, hohlen Stängel erkennbar ist. Stängel und Blätter sind mit weißen Drüsenhaaren besetzt. Die hellgrünen Blattpaare sitzen gegenständig am Stängel und werden bis zu 2 Zentimeter lang. Sie sind elliptisch, unregelmäßig gezähnt und besitzen ein tiefes Nervennetz, welches an der Blattoberseite deutlich sichtbar ist.

Die Blütezeit des Andorns liegt im Hochsommer. Die einzelnen Blüten sind klein und weiß und liegen in Form von Scheinquirlen dicht aneinander. Die Unterlippe der Lippenblüten besitzen einen ausgeprägten Mittelzipfel. Besonders auffallend ist der Kelch mit seinen 10 Zähnen, die sich zur Fruchtreife an der Spitze hakig krümmen. Andorn trägt keine Dornen, aber diese hakigen Spitzen bleiben nach dem Verblühen an vorbeistreifenden Tieren und auch gerne an der Kleidung hängen. Daher stammt auch die deutsche Bezeichnung der Pflanze.

Andorn (Marrubium vulgare)
Andorn (Marrubium vulgare)

Volksheilkunde

Andorn wird in der Volksheilkunde bereits seit der Römerzeit verwendet. Damals wurde es als Mittel bei Atemwegsbeschwerden und hartnäckigem Husten verwendet. Auch im Mittelalter war dies ein beliebtes Einsatzgebiet und machte den Andorn eine wichtige Pflanze in den Klostergärten. Auch heute noch gilt Andorn als ein hochwertiges Mittel bei den genannten Beschwerden.

Noch wichtiger ist allerdings seine Anwendung bei unterschiedlichsten Beschwerden des Verdauungstraktes. Dazu gehören Völlegefühl, Blähungen oder Appetitlosigkeit. Vor allem aber regen die enthaltenen Bitterstoffe die Produktion von Magen- und Gallensaft an, wirken leberstärkend und unterstützen somit den gesamten Verdauungsprozess.

Weitere Anwendungsgebiete sind die Kreislaufstabilisierung, die Unterstützung des Immunsystems vor und bei Erkältungskrankheiten und Menstruationsbeschwerden.

Ein in Vergessenheit geratenes Anwendungsgebiet ist die wehenfördernde und beruhigende Wirkung bei der Geburt. Im Mittelalter wurde Andorn zur Schmerzreduktion und Erleichterung der Geburt eingesetzt. Er wird auch heute noch bei den Navajo-Indianern in Form eines Wurzelabsudes für diesen Zweck verwendet. Allerdings ist diese wehenfördernde Wirkung auch der Grund, warum die Pflanze während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden darf.

Für die innere Einnahme wird das getrocknete Kraut in Form eines Heißwasseraufgusses zubereitet. Dieser Tee soll dreimal täglich eingenommen werden. Zur Appetitanregung wird er vor den Mahlzeiten, bei Verdauungsbeschwerden nach dem Essen eingenommen. Er kann pur eingenommen werden oder mit anderen verdauungsfördernden bzw. hustenlösenden Kräutern kombiniert werden.

Als eine alternative Einnahmemethode kann auch eine Tinktur hergestellt werden. Davon nimmt man dreimal täglich etwa 30 Tropfen ein.

Kulinarik

Kulinarisch wird Andorn nur selten eingesetzt, da er einen sehr intensiven bitteren Geschmack aufweist. In manchen Ländern wird Andorn mit getrockneten Feigen und Lorbeerblättern gekocht um den Geschmack etwas abzumildern. Andererseits wird Andorn Extrakt aufgrund der Bitterstoffe in einigen traditionellen Biersorten zugesetzt.

Räuchern

Andorn ist eine alte Räucher- und Ritualpflanze. Bereits die Kelten und Germanen verwendeten ihn für Schutzräucherungen. Es wirkt abwehrend gegen negative Energien und schirmt uns ab. Auch für Schutzbeutel oder für das Ziehen von Schutzkreisen bietet sich seine Verwendung an. Zusätzlich unterstützt er uns auch dabei, die Tore zur Anderswelt zu öffnen.

Besonders für Hausräucherungen ist Andorn eine geeignete Wahl, da er in der Lage ist jegliche negativen Energien zu entfernen. Der Duft hat eine angenehme, würzige Note. Für eine besonders starke Wirkung wird Andorn während der Sommersonnenwende gesammelt.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit diesem Heilkraut gemacht? Habt ihr diese tolle Pflanze auch in eurem Garten?


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