Giftpflanze oder Heilkraut?

Die Pestwurz ist eine umstrittene Pflanze. Zumindest wenn ich mir die unterschiedlichen Social Media Kanäle ansehe, welche sich derzeit mit dieser Pflanze befassen. Entweder wird sie als Giftpflanze präsentiert, oder als Heilkraut. Selten wird auf beide Aspekte eingegangen. Was es mit diesen beiden Argumentationen auf sich hat, möchte ich in diesem Beitrag aufgreifen.

In unseren Breiten finden wir die Gemeine bzw. Rote Pestwurz (Petasites hybridus) und die Weiße Pestwurz (Petasites albus). Beide Pflanzen haben nahezu die gleichen Inhaltsstoffe, weshalb im Weiteren keine Trennung von Roter und Weißer Pestwurz erfolgt. Der deutsche Name reicht bis ins Mittelalter zurück, wo man versuchte die Pest mit dieser Pflanze zu heilen.

Der botanische Name “Petasites” wurde vom Arzt und Kräuterkundigen Dioskurides geprägt. “Pétasos” ist die Bezeichnung für einen Hut mit breiter Krempe. Die Pestwurz hat diesen Namen aufgrund der Größe der Blätter bekommen, welche oft als Regen- oder Sonnenhut verwendet wurden. Und natürlich bieten sich die Blätter auch heute noch als provisorischen Regenschutz an, falls man in der freien Natur von einem Regenguss überrascht wird.

Aussehen

Die Pestwurz ist eine heimische Wildpflanze und gehört zur Familie der Korbblütler. Ähnlich wie beim Huflattich erscheinen die Blütenstände bereits vor dem Blattaustrieb. Diese bestehen aus zahlreichen roten bzw. weißen Einzelblüten. Die Pestwurz ist eine der ersten blühenden Pflanzen des Jahres und bereits im Vorfrühling zu finden. Durch den beschuppten Blütenstiel und die kugel- bis traubenförmige Anordnung der Blüten wirken diese Pflanzen oft etwas außerirdisch.

Die Blätter haben ebenfalls Ähnlichkeit mit denen des Huflattichs. Sie sind teller- bis herzförmig. Sie werden jedoch wesentlich größer und können bis zu einem Meter lang werden. Auch in der Breite können sie bis zu 60 Zentimeter erreichen. Somit ist die Verwendung als Regenschutz sehr gut vorstellbar. Die Blattoberseite ist grün, die Unterseite ist vor allem bei jüngeren Pflanzen wollig behaart. Wie auch der Huflattich trägt die Pflanze deshalb den Beinamen “des Wanderers Klopapier”.

Die Wurzel kann bis zu 4 cm dick und recht lang werden. Es gibt nur wenige Nebenwurzeln. Die Wurzel dient als Überdauerungsorgan, aus welchem die Pflanze jedes Jahr neu austreibt.

Weiße Pestwurz (Petasites albus)
Weiße Pestwurz (Petasites albus)

Warum ist die Pestwurz eine Giftpflanze?

Die Pestwurz wird als Giftpflanze bezeichnet, da sie Pyrrolizidinalkaloide enthält. Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, welche in vielen Korbblütlern, Raublattgewächsen und anderen Pflanzenfamilien vorkommen. Pflanzen bilden diese Stoffe aus, um sich vor Fraßfeinden zu schützen.

Im menschlichen Körper können PA in großen Mengen leberschädigend und potenziell krebserregend wirken. Dazu gibt es unterschiedliche laborbestätigte Studien. Diese untersuchen jedoch die extrahierten Pyrrolizidinalkaloide und nicht die Pflanze in ihrer Gesamtheit.

Bei allen Wildpflanzen gibt es das Problem, dass der genaue Wirkstoffgehalt (ob nun mit positiver oder negativer Wirkung) nicht festgestellt werden kann. Außerdem kann er je nach Pflanzenteil, Standort oder Witterungsverhältnissen unterschiedlich ausgeprägt sein.

Warum ist die Pestwurz ein Heilkraut?

Die Pestwurz wurde bereits im alten Griechenland und auch später im Mittelalter bis in die Renaissance als Heilpflanze eingesetzt. Die Anwendungsgebiete waren weitreichend: Husten, Rheuma, Fieber, Epilepsie und Magenbeschwerden sind nur einige der Leiden für welche Pestwurz verwendet wurde. Wie der Name schon sagt, wurde sie im Mittelalter als schweißtreibendes Mittel gegen die Pest angewendet.

In der heutigen Schulmedizin verwendet man Extrakte aus der Wurzel zur Behandlung von unterschiedlichen Schmerzen und Krampfzuständen. Durch die krampflösende und schmerzstillende Wirkung kann die Pestwurz auch bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt werden. Auch bei Migräne und Heuschnupfen zeigen Präparate aus Pestwurz ihre Wirksamkeit. Als natürliches Antihistaminikum kann die Pflanze ebenfalls bei anderen allergischen Reaktionen eingesetzt werden. Neue Studien bestätigen auch die potenzielle Wirksamkeit bei Asthma.

Fazit

Wie oben bereits erwähnt, wurden bei den verschiedenen Studien die extrahierten Pyrrolizidinalkaloide untersucht. Ich möchte die negativen Wirkungen von PA zwar nicht abstreiten, aber möchte doch darauf hinweisen, dass die Wirkstoffmengen und -zusammensetzungen in ganzen Pflanzen nicht mit extrahierten Stoffen verglichen werden sollten.

Natürlich sollte man nicht leichtfertig mit solchen Inhaltsstoffen umgehen, jedoch halte ich mich gerne an die Aussage von Paracelsus:

Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift.
Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.

Theophrastus Bombastus von Hohenheim (Paracelsus)

Nicht nur die Pestwurz enthält Pyrrolizidinalkaloide, sondern auch viele andere Pflanzen, welche in der Volksheilkunde häufig verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise Huflattich (Tussilago farfara), Borretsch (Borago officinalis), Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) und Beinwell (Symphytum officinale).

Jeder von uns muss selbst entscheiden wie man das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Pflanze einschätzt. Ich persönlich halte das Risiko bei all den oben genannten Pflanzen für überschaubar, sofern die Anwendung über einen begrenzten Zeitraum bzw. in moderaten Mengen erfolgt.

Was ist eure Einstellung zu solchen Pflanzen? Geht ihr lieber auf Nummer sicher oder verwendet ihr diese Kräuter?


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