Die Blätter des Scharbockskrautes sind das erste kulinarische Highlight des Jahres. Man findet sie bereits im Vorfrühling wenn die restliche Vegetation noch sehr mager ausfällt. Man sollte sie jedoch pflücken bevor sie ihre gelb glänzenden Blüten entfalten.

Der botanische Name des Scharbockskrautes ist Ficaria verna . Jedoch ist auch auch der veraltete Name Ranunculus ficaria weiterhin häufig in der Literatur anzutreffen. Die botanischen Bezeichnungen entstammen dem Lateinischen. Das Wort “Ficaria” bedeutet Feige, jedoch hat dies nichts mit der Frucht zu tun. Als Feigen wurden in früheren Zeiten Hämorrhoiden bezeichnet, und so kennen wir bereits ein altes und teilweise vergessenes Einsatzgebiet der Pflanze. “Verna” bedeutet Frühling und deutet auf die Vegetationszeit des Scharbockskrautes.

Auch die deutsche Bezeichnung verweist auf ein weiteres Anwendungsgebiet. In früheren Zeiten war es nicht selbstverständlich jederzeit Zugang zu frischem, vitaminreichem Obst und Gemüse zu haben. Daher forderte die Krankheit Skorbut (Scharbock) bei den Seefahrern, aber auch in der bäuerlichen Gesellschaft während der Winterzeit, viele Opfer. Diese Krankheit wird durch einen Mangel an Vitamin C ausgelöst. Das Scharbockskraut wurde durch den hohen Vitamingehalt als wichtiges Heilmittel für Skorbut eingesetzt.

Aussehen

Das Scharbockskraut gehört zu den Hahnenfußgewächsen und ist eines der wenigen Vertreter dieser Pflanzenfamilie welche genießbar ist. Die Pflanze ist mehrjährig und kommt meist in Form eines Bodendeckers vor. Die Blätter sind leicht herzförmig und leicht gekerbt. Sie sind glänzend, unbehaart und haben eine sattgrüne bis dunkelgrüne Farbe. Die Blattnerven sind gut ersichtlich. Die sternförmigen Blüten haben meist acht gelbe, glänzende Kronblätter. Bei Regen und in der Nacht bleiben die Blüten geschlossen. Nach der Blütezeit sterben die oberirdischen Pflanzenteile vollkommen ab. Die Vermehrung erfolgt über Brutknollen, welche an den unteren Blättern sitzen. Sie fallen etwa im Mai ab, überwintern an oder unter der Erdoberfläche und keimen im nächsten Frühjahr wieder aus. Bei starken Regenfällen kommt es vor, dass diese Brutknollen ausgeschwemmt werden. Da diese Getreidekörnern ähneln, sieht es aus, als hätte es Weizen geregnet. Aus diesem Grund nannte man sie früher auch Himmelsgerste oder Himmelsbrot.

Scharbockskraut (Ficaria verna)
Scharbockskraut (Ficaria verna)

Volksheilkunde

Scharbockskraut zeichnet sich durch seine belebenden, antioxidativen, blutreinigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften aus. In der Volksheilkunde ist es daher eine wichtige Heilpflanze bei Vitamin C Mangel und für Blutreinigungskuren. Es erweckt die Lebensgeister und vertreibt die Frühjahrsmüdigkeit.

Scharbockskraut sollte nur vor der Blütezeit verzehrt werden. Mit der Blüte bildet es vermehrt Protoanemonin, welches reizend auf die Schleimhäute wirkt. Ebenso verändert sich der Geschmack und wird durch die Einlagerung von Protoanemonin sehr scharf.

Ein anderes Anwendungsgebiet, welches jedoch eher in Vergessenheit geraten ist, ist die Behandlung von Hämorrhoiden. Dazu stellt man in der Volksheilkunde eine Salbe aus den Blättern des Scharbockskrautes her und trägt diese äußerlich auf die betroffenen Stellen auf. Alternativ können auch Waschungen, Sitzbäder oder Umschläge mit einem Heißwasseraufguss durchgeführt werden. Diese Anwendung ist durch die blutreinigende Wirkung auch für unterschiedlichste Hautleiden geeignet.

Kulinarik

Der wohl wichtigste Anwendungsbereich für das Scharbockskraut ist die kulinarische Verwendung. Es ist nicht nur eines der bekanntesten, sondern auch eines der ersten verfügbaren Wildkräuter des Jahres. Die jungen Blätter schmecken leicht säuerlich und erfrischend.

Die zarten, frischen Blätter können in Wildkräutersalaten oder in Kräuteraufstrichen verwendet werden, oder als Dekoration auf diversen Speisen dienen.

Auch die Brutknollen sind essbar und schmecken kartoffel- bis nussartig. Nachdem sie allerdings recht klein sind, ist das Sammeln der Brutknollen ein aufwändiges Unterfangen. Sogar die Blütenknospen können in Essig oder Öl eingelegt werden und in dieser Form als Kapernersatz genutzt werden.

Räuchern

Das Scharbockskraut bildet beim Räuchern einen stechenden Geruch und wird daher nur selten pur verräuchert. Meist wird es mit duftenden Blüten und Harzen gemischt. Eine Räucherung mit Scharbockskraut wirkt kraftspendend und hilft zielstrebig neue Wege zu verfolgen. In früheren Zeiten wurde Scharbockskraut bei jenen Kindern verräuchert, die dem bösen Blick erlegen waren.

Nutzt ihr Scharbockskraut auch um eure Lebensgeister im Frühling wieder zu wecken?


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.