Der Wald-Sauerklee ist ein zartes Pflänzchen, das wir auf dem moosigen Waldboden zwischen Wurzeln und morschen Baumstümpfen entdecken können. Er ist in den schattigen Wäldern Mitteleuropas heimisch. Der Wald-Sauerklee benötigt überaus wenig Licht um zu gedeihen. Unter 1% Tageslicht ist für ihn ausreichend um zu überleben, bei 10% Tageslicht entfaltet er bereits sein volles Photosynthese-Potenzial. Auf den ersten Blick wirkt er unscheinbar, doch bei genauerem Hinsehen erkennen wir seine Schönheit, die sich besonders in den feinen violetten Adern der Blüten zeigt. Nicht umsonst ist dieses Kraut der Venus zugeordnet.
Geschmacklich bereichert der Wald-Sauerklee unsere Küche mit einer erfrischend säuerlichen Note. Nicht umsonst lautet der botanische Name des Wald-Sauerklees Oxalis acetosella. Der Gattungsname „oxalis“ leitet sich vom griechischen „oxys“ ab, was „sauer“ bedeutet. Der Artname „acetosella“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Essig oder saurer Wein.
Aussehen
Der Wald-Sauerklee ist eine ausdauernde, krautige Pflanze und gehört zur Familie der Sauerkleegewächse (Oxalidaceae). Er erreicht eine Wuchshöhe von etwa 5 bis 15 Zentimetern und bedeckt oft großflächig den Waldboden.
Seine Blätter sind lang gestielt und wachsen einzeln aus dem Boden. Sie bestehen aus drei verkehrt herzförmigen Teilblättern und erinnern auf den ersten Blick an den Wiesenklee. Der Wald-Sauerklee ist botanisch jedoch nicht mit diesem verwandt. Seine Blätter sind hell- bis dunkelgrün, sehr lichtempfindlich und besitzen einen charakteristisch säuerlichen Geschmack. Bei starker Sonneneinstrahlung falten sie sich wie ein Regenschirm zusammen, um Wasserverlust durch Verdunstung zu vermeiden.
Die Blütezeit des Wald-Sauerklees reicht von April bis Juni. Im Volksmund nennt man ihn Kuckucksklee, da seine Blütezeit oft mit dem ersten Ruf des Kuckucks zusammenfällt. Die Blüten bestehen aus fünf Kronblättern die weiß bis blassrosa gefärbt sind. Sie sind von violetten Adern durchzogen und tragen an ihrer Basis gelbe Saftmale. Diese dienen Insekten als Wegweiser zum Nektar.
Nach der Bestäubung der Blüten entstehen kleine, fünfteilige Kapselfrüchte. Der Wald-Sauerklee ist ein sogenannter Saftdruckstreuer: mit enormer Kraft werden die Samen aus der reifen Kapsel mehrere Meter weit herausgeschleudert.

Volksheilkunde
Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Wald-Sauerklees sind Oxalsäure, Kaliumoxalat und Vitamin C. Diese verleihen der Pflanze ihren erfrischend säuerlichen Geschmack und ihre heilkundliche Bedeutung.
Traditionell gilt der Wald-Sauerklee als erfrischend, blutreinigend und fiebersenkend. Besonders im Frühjahr wird er gerne eingesetzt, um Frühjahrsmüdigkeit zu vertreiben und den Körper zu beleben. Aufgrund seines hohen Vitamin-C-Gehalts wurde er früher auch bei Skorbut verwendet.
Der Wald-Sauerklee enthält Oxalsäure, weshalb er nur in Maßen genossen werden sollte. Der Oxalsäure-Gehalt ist vergleichbar mit dem von Mangold, Spinat und Rhabarber. Wie so oft gilt: die Dosis macht das Gift. Personen mit Nierenproblemen, Rheuma oder Gicht sollten jedoch auf die Einnahme verzichten.
Kulinarik
Der Wald-Sauerklee ist eine wunderbare Bereicherung für die Frühlingsküche. Sein zitronenähnliches Aroma verleiht Salaten, Aufstrichen, Suppen und Smoothies eine erfrischende Note. Auch auf einem Butterbrot oder als essbare Dekoration für Süßspeisen machen sich die zarten Blätter und Blüten hervorragend.
Besonders bei Wanderungen durch den Wald schenkt uns dieses kleine Pflänzchen eine natürliche Erfrischung direkt vom Wegesrand.
Besonders weich und aromatisch sind die Blätter vor der Blüte. Da der Wald-Sauerklee beim Trocknen stark an Geschmack verliert, sollte er stets frisch verwendet werden. Eine leckere Möglichkeit zur Konservierung ist die Herstellung eines Kräuterzuckers, bei dem frische Blätter mit Zucker verrieben werden. So bleibt das säuerliche Aroma erhalten und gibt Süßspeisen einen besonderen Frischekick.
Volksmagie
In der astrologischen Kräuterkunde wird der Wald-Sauerklee der Venus zugeordnet und steht somit für Sinnlichkeit, Fruchtbarkeit und Lebensfreude. In Irland gilt der Sauerklee (Shamrock) sogar als heilige Pflanze. Auch die dortigen Leprechauns, irische Zwerge, sollen den Wald-Sauerklee auf ihren Hüten tragen.
Zum Räuchern wird die Pflanze jedoch kaum verwendet, da sie beim Trocknen ihr Aroma verliert.
Habt ihr den Sauerklee schon einmal bei einer Wanderung verkostet oder ihr vielleicht sogar bereits in eurer Küche verwendet?
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