Der Giersch ist eine der ersten Pflanzen welche sich in den Frühlingsmonaten unter der Schneedecke hervorquält, um uns mit ihrer gesundheitsfördernden Wirkung zu beehren. Während sich noch viele Kräuter im Winterschlaf befinden, vertreibt der Giersch bereits die Frühjahrsmüdigkeit und schenkt uns neue Energie. Trotz seiner vitalitätsspendenden Eigenschaften wird er leider sehr oft als Unkraut bezeichnet. Das liegt wohl vorwiegend an seiner außergewöhnlichen Durchsetzungs- und Widerstandskraft. Durch unterirdische Ausläufer kann sich diese mehrjährige Pflanze schnell vermehren und bis zu 3 Quadratmeter Boden pro Jahr für sich erobern. Wenn er sich einmal in in unserem Garten ansiedelt, ist er nur schwer wieder zu vertrieben. Um neu austreiben zu können, reicht bereits ein kleines Wurzelstück aus. Darüber hinaus sondern die Wurzeln jene Stoffe ab, die das Wachstum anderer umgebener Pflanzen hemmen können.

Trotz seines ungezähmten Auftretens ist er eine große Bereicherung für unseren Speiseplan und die Hausapotheke. In Kübeln oder mit einer Rhizomsperre gepflanzt, kann auch diesem wilden Begleiter etwas Einhalt geboten werden, ohne dass wir auf seine wunderbaren Eigenschaften verzichten müssen. Wir finden ihn jedoch auch sehr häufig und reichlich an feuchten, halbschattigen Standorten in der Natur, was den Anbau im eigenen Garten oft überflüssig macht.

Sein botanischer Name ist Aegopodium podagraria. Aegopodium stammt von den Wörtern aigeos (Ziege) und podos (Fuß). Mit ein wenig Phantasie erinnern seine Blätter nämlich an einen Ziegenfuß. Podagraria bedeutet übersetzt „Gicht heilend“. Diese Eigenschaft spiegelt sich auch in der umgangssprachlichen Bezeichnung Gichtkraut wider. Die deutsche Bezeichnung Giersch stammt aus dem indogermanischen Sprachraum und leitet sich vom Wort „ghers“ bzw. „ghors“ ab, was als Unkraut übersetzt werden kann.

Die ersten Triebe des Giersch (Aegopodium podagraria)
Die ersten Giersch Triebe (Aegopodium podagraria)

Aussehen

Der Giersch ist eine mehrjährige Pflanze, welche gerne in großen Beständen auftritt. Er wird je nach Standort zwischen 30 und 90 Zentimeter hoch. Die bevorzugte Verbreitungsmethode erfolgt durch die Ausbreitung seiner weißen, kriechenden Wurzelausläufer, die bis einen halben Meter in den Boden reichen können.

Ein typisches Bestimmungsmerkmal ist sein kahler, dreikantiger Blattstiel. Eine der Kanten ist leicht abgerundet, und die gegenüberliegende Seite konkav eingezogen. Mit ein wenig Übung kann man den Giersch alleine durch dieses Merkmal bereits gut bestimmen bzw. erfühlen.

Seine Laubblätter sind von saftig grüner Farbe, glatt und am Blattrand gezähnt. Das Blatt ist in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Stiel kann bis zu 20 Zentimeter lang werden. Die Blattspreite ist in drei Blattgruppen unterteilt, welche wiederum je drei Blätter aufweisen. Manchmal sind die äußersten Blätter miteinander verwachsen. Ihr Geschmack und Geruch erinnert an Karottengrün oder Petersilie.

Der Giersch zählt zu den Doldenblütlern. Diese Zugehörigkeit ist durch die typischen doldenförmigen Blütenstände leicht erkennbar. Genauer gesagt handelt es sich um eine Doppeldolde, die 12 bis 25 Strahlen besitzt. Es sind weder Hüllblätter noch Hüllchenblätter vorhanden. Die kleinen, weißen Einzelblüten erscheinen in den Sommermonaten. Sie sind zwittrig und fünfzählig. Die Blütenstängel sind im Vergleich zu den Blattstängeln rund und eigenen sicher daher nicht als Bestimmungsmerkmal. Obwohl die vegetative Vermehrung vorherrschend ist, bildet der Giersch viele aromatische Samen. Sie besitzen eine kümmelähnliche Form und sind etwa 3 bis 4 Millimeter groß.

Bei der Giersch Ernte sollten unbedingt alle Bestimmungsmerkmale genau betrachtet werden, da die Doldenblütler Familie auch sehr viele giftige Pflanzen beherbergt. Eine Verwechslung mit seinen essbaren sowie giftigen Verwandten ist für das ungeübte Auge leicht möglich, weshalb sich die Teilnahme an einer Kräuterwandung bewährt.

Giersch Blüten (Aegopodium podagraria)
Giersch Blüten (Aegopodium podagraria)

Volksheilkunde

Giersch spielt in der Volksheilkunde eine große Rolle. Es gibt zwar nur wenige vormittelalterliche Aufzeichnungen über seine Verwendung, jedoch war seine Bedeutung im Mittelalter so groß, dass er sogar in Klostergärten angebaut wurde. Seine Hauptanwendungsgebiete sind Gicht und rheumatische Beschwerden. Er wirkt entsäuernd, entzündungshemmend und antirheumatisch.

Darüber hinaus zeichnet sich das Kraut durch den hohen Vitamin C, sowie seinen umfassenden und vielseitigen Mineralstoffgehalt aus. Diese Inhaltsstoffe machen ihn zu einem wunderbaren Kraut für Frühjahrskuren, um die Frühjahrsmüdigkeit zu vertreiben und die Vitaminvorräte wieder aufzufüllen. Darüber hinaus wirkt Giersch entgiftend, blutreinigend und allgemein kräftigend. Er beeinflusst den Cholesterinhaushalt positiv und regt auch den Appetit und die Verdauung an. Unterstützend kann er aufgrund seiner entzündungshemmenden und harntreibenden Wirkung auch bei Harnwegsbeschwerden eingesetzt werden.

Als zerriebene Frischpflanze nutzt man ihn aufgrund seiner kühlenden und beruhigenden Wirkung gerne bei Insektenstichen und Verbrennungen.

Giersch kann auf die unterschiedlichsten Arten verwendet werden. Innerlich wird die Pflanze häufig frisch eingenommen, oder als Tee oder Tinktur zubereitet. Äußerlich eignet sich die Abkochung für Umschläge und Badezusätze. Er kann aber auch zu Ölen und Salben verarbeitet werden.

Giersch Blätter (Aegopodium podagraria)
Giersch Blätter (Aegopodium podagraria)

Kulinarik

Als Wildgemüse ist der Giersch bereits seit der Steinzeit in Verwendung. Bis ins Spätmittelalter gibt es vielzählige Berichte über seinen Einsatz als beliebte Küchenzutat. Er galt in vielen Königshäusern als geschätzte wohlschmeckende und gesunde Delikatesse.

Die Blätter, Blüten und Samen werden als gesundheitsfördernde kulinarische Bereicherung genutzt. Ausschließlich die Wurzeln werden aufgrund ihres leichten Giftstoffgehaltes nicht für Speisezwecke eingesetzt.

Die Blätter schmecken würzig aromatisch und erinnern an Petersilie, Sellerie oder Karotten. Sie können ganzjährig und in allen Altersstadien gesammelt werden, wobei jüngere Exemplare einen milderen Geschmack aufweisen, und sich dadurch für bestimmte Gerichte, beispielsweise Salate, besser eignen als ihre reiferen Artgenossen. Die Blätter können sowohl roh als auch gedünstet verwendet werden, und können auch in größeren Mengen bedenkenlos konsumiert werden.

Die Blüten schmecken milder und haben eine leicht süßliche Note. Sie werden gerne zur Dekoration von Speisen eigesetzt, dienen aber auch als Geschmacksgeber in verschiedenen Speisen, Kräuterölen oder Säften. Darüber hinaus können die Blütendolden, ähnlich wie Holunderblüten, als deren pikante Variante ausgebacken werden.

Die Samen sind scharf würzig und können gemahlen als Gewürz eingesetzt werden. Auch die getrockneten Blätter eigenen sich hervorragend für den Einsatz als Gewürzkraut. Am besten fügt man das Pflanzenpulver kurz vor dem Ende der Garzeit den Speisen hinzu.

Räuchern

Aus den Blättern, Blüten und Samen kann man auch ein aromatisches Räucherwerk herstellen. Als Räucherung verleiht uns Giersch seine typische Widerstandsfähigkeit und verbessert die Resilienz in allen Lebenslagen. Er belebt, vitalisiert und schenkt Stärke und Kraft. Darüber hinaus wirkt er sich positiv auf unsere Stimmungslage aus. Wenn man sich ausgelaugt, energielos und niedergeschlagen fühlt, ist der Giersch eine geeignete Räucherpflanze.

Weiters hilft uns Giersch, Energievampire frühzeitig zu erkennen und sich rechtzeitig von ihnen zu lösen bzw. sie auf Distanz zu halten.

Was sind eure Erfahrungen mit dem Giersch? Wie setzt ihr ihn am liebsten ein?


7 Kommentare

Ralf · 11. Oktober 2023 um 0:21

Räuchern mit Giersch i Kombination mit einer großen Klangschale in der das Räuchergefäs steht is Energetisch noch sehr viel wirkungsvoller, auch in Kombination mit Meditation oder / und intuitivem Singen oder Chakra-tönen sehr, sehr wirkungsvoll.

Gruß Ralf

Ralf · 7. Oktober 2023 um 23:31

Der Giersch als Heilpflanze begleitet mich jetzt schon mehrere Jahre und erspart mir inzwischen viele Nahrungsergänzungsmittel wenn ich ihn mit verschiedenen weiteren Heilpflanzen wie Brennessel, Löwenzahn, Spitzwegerich, Labkraut, Kohlkratzdistel, Große Klette, Karde usw. als Blattpulver im Müsli, im Wildkräutersalat als Gemüse oder Tee verwende.

    Carmen Kraft · 8. Oktober 2023 um 16:20

    Das ist natürlich eine tolle und äußerst gesunde Kombination an Wildpflanzen 🙂

Wolfgang · 24. Juli 2023 um 14:32

Girsch wirkt bei schmerzhaften Gichtbeschwerden schon über Nacht. Ich konnte die Wirkung mehrmals feststellen und habe mir in Folge den täglichen Verzehr von einigen Girschblättern, meist in feingehackter Form als Beigabe zu Salaten, Suppen, oder Aufstrichen etc., angewöhnt. Seither bin ich völlig Beschwerdefrei.
Da ich in unmittelbarer Nähe eines Waldes leben darf, habe ich jederzeit Zugriff auf frischen Girsch, der ja auch Zipperleinskraut heisst, wobei Zipperlein für Gicht steht.
Die phänomenale Wirkung von Girsch ist sicher auch auf seine stark basische Wirkung zurückführen, womit auch viele andere gesundheitliche Probleme gemildert, vorgebeugt, oder gar geheilt werden können.
Sicher schadet es nicht, auch etwas Brennnessel-, Löwenzahn-, oder Spitzwegerich-Blätter dazu zu mischen, die uns ja die Natur im Übermass bereit stellt.
Klar, dass wir die Pflanzen nicht direkt an den Hundepfaden ernten und vor dem Verzehr gut abwaschen.
Mit diesen Wildkräutern können wir perfekt unseren gesamten Mineralstoffbedarf abdecken, der uns auch noch gleichzeitig optimal entgiftet. Und Entgiftung ist ein Gebot der Zeit. Schauen wir zum gerasterten Himmel hoch und sehen wir, was viele Bauern auf den Feldern verspritzen, dann müssen wir nur noch Eins und Eins zusammenzählen.
Und noch eins, probieren geht über studieren!

    Carmen Kraft · 31. Juli 2023 um 18:44

    Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

    Alexa · 7. November 2023 um 23:50

    Wirkt die gierschtinktur auch gegen rheumaschmerzen. Innerlich? Aeusserlich? Vielen dank

      Carmen Kraft · 14. November 2023 um 6:14

      Ich würde die Kombination daraus versuchen. Die Tinktur tropfenweise einnehmen und äußerlich als Auflage verwenden. Zwar wird hier traditionellerweise eher das zerstampfte, frische Kraut verwendet, aber eine Tinktur, ggf. mit Wasser verdünnt, eignet sich ebenfalls.

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert